Ödipus auf Kolonos

Sophokles

frei übertragene und bearbeitete Fassung
der Spielgemeinschaft
ODYSSEE Theater

nach der Übersetzung von
Walther Amelung

2019

Personen

Ödipus  
Antigone, seine Tochter Margherita Ehart
Ismene, ihre Schwester Miel Wanka
Polyneikes, sein Sohn Florian Dubois
Kreon Wolfgang Peter
Theseus, König von Athen  
Wanderer Walter Vogl
Athener Walter Vogl
Chor der Bewohner von Kolonos

Christine Kowol
Nikolina
Rosemarie Guttmann
Peter Ponta
Thomas Wünsch
Sebastian Josef Unger
Ernst Horvath

 

Regie: Wolfgang Peter

Hintergrund

Den Hintergrund der Tragödie bildet das Verhängnis von Labdakos Haus, das damit begann, dass Labdakos, der König von Theben, den Gott Dionysos - wörtlich die „Gottesvernunft“ - verhöhnt und dessen Gefolge vertrieben hatte. Laios, Labdakos Sohn, erzog Pelops Sohn Chrysippos  zum Wagenlenker, verliebte sich in den wunderschönen Jüngling und entführte ihn nach Theben. Darauf traf ihn Pelops Fluch: Sollte Laios jemals einen Sohn haben, so werde dieser ihn töten. Als Laios ein Sohn geboren wurde, ließ er diesen mit durchstochen Füßen - er wurde deshalb Ödipus, „Schwellfuß“, genannt - durch einen Diener in der Wildnis aussetzen. Doch dieser hatte Mitleid mit Ödipus und brachte ihn zu König Polybos von Korinth, der ihn an Sohnes statt aufnahm. Als Ödipus durch das Orakel von dem auf ihm lastenden Fluch erfuhr, verließ er sein vermeintliches Vaterhaus, um dem Verhängnis zu entgehen. An einer Weggabelung traf er unwissentlich auf Laios, seinen wirklichen Vater, und erschlug diesen im Zorn. Als er später die Sphinx besiegte, indem er ihre berühmte Rätselfrage löste, und dadurch Theben aus großer Not befreite, wurde Ödipus zum König Thebens ernannt und heiratete Ioakaste, Laios Witwe, ohne zu wissen, dass diese seine eigene Mutter war. Als in Theben eine große Seuche ausbrach, wurde der Seher Teiresias nach der Ursache befragt und enthüllte die unwissenentlich von Ödipus begangene Freveltat. Ödipus durchstach sich daraufhin die Augen und Ioakaste erhängte sich. Ödipus ging nun freiwillig in Begleitung seiner Töchter Antigone und Ismene in die Verbannung nach Kolonos, wo er sich von den Eumeniden Entsühnung erhoffte. Seine noch minderjährigen Söhne Eteokles und Polyneikes übergab er indessen Kreon, Ioakastes Bruder, der zwischenzeitlich die Regentschaft Thebens übernahm. Später sollten sich Eteokles und Polyneikes die Herrschaft teilen. Doch Eteokles war nicht bereit, wie vereinbart die Herrschaft nach einem Jahr abzugeben und verbannte seinen Bruder Polyneikes. Dieser verbündete sich mit  Adrastos, dem König von Argos.

Inhalt

Nach Jahren der selbstgewählten Verbannung erscheint der erblindete greise Ödipus in Begleitung seiner Tochter Antigone auf dem bei Athen gelegenen Hügel von Kolonos. Hier liegt der heilige Hain der Eumeniden, von denen Ödipus die Erlösung von seinem leidbeladenen Leben erbitten will. Ismene, die zweite Tochter des Ödipus, stößt zu ihnen, um gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer Schwester die Götter gnädig zu stimmen. Theseus, der König von Athen, hat Mitleid mit Ödipus und bietet ihm seine Gastfreundschaft an.

Kreon erscheint mit seinem Gefolge auf dem Hügel von Kolonos und bietet Ödipus die versöhnliche Rückkehr nach Theben an. Doch Ödipus, der das unheilvolle Schicksal Thebens schon voraussieht, verweigert die Heimkehr. Kreon entführt daraufhin Antigone und Ismene, die aber schon kurz darauf von Theseus befreit werden.

Kurz danach erscheint Polyneikes, der Sohn des Ödipus, und berichtet, dass sein Bruder Eteokles, der ihm nach Ablauf von dessen einjähriger Regentschaft die Herrschaft über Theben hätte überlassen sollen, ihm den Thron verweigert. Mit einem Heer will Polyneikes nun die siebentorige Stadt Theben zurückerobern und seinem Vater wieder auf den Thron verhelfen. Doch Ödipus verflucht seinen „allerschlechtersten Sohn“, der sich nie um den Vater gesorgt habe. Nur der Fürsorge seiner beiden Töchter habe er überleben können. Auch prophezeit Ödipus, dass sich seine beiden Söhne im Kampf um Theben wechselseitig töten werden. Erschüttert erkennt Polyneikes den tödlichen Ernst des Fluchs und bittet Antigone, ihn im Falle seines Todes ehrenvoll zu bestatten.

Ein aufkommendes Gewitter kündigt nach der Weissagung der Götter den nahen Tod von Ödipus an. Damit sich seine Töchter, von seinem Tod erschüttert, nicht selbst den Tod geben, wählt er sich eine verborgene Grabstätte am Hügel von Kolonos, deren Lage nur Theseus bekannt sein soll. Nach Ödipus Tod kehren die Töchter nach Theben zurück, wo Antigone den tödlichen Zweikampf ihrer beiden Brüder Polyneikes und Eteokles verhindern will.

Sophokles

Sophokles.gif„der ob seiner Weisheit gerühmte“ (griech. Σοφοκλης, von sophia „Weisheit“ und kles „Ruhm“, etymologisch verwandt mit dt. Worten wie „Glanz“, „Glas“), wurde ~ 496 v.Chr. in Kolonos nahe Athen als Sohn des wohlhabenden Waffenschmiedes Sophilos geboren und genoss, hochbegabt für Tanz und Musik, eine ausgezeichnete Ausbildung. Bei der großen Feier anlässlich des Sieges über die Perser bei Salamis (480) führte der bildschöne Jüngling den Knabenchor an. 468 nahm Sophokles das erste Mal am Dichterwettkampf teil und errang sogleich den ersten Preis. Von den vermutlich 123 Stücken, die er verfasst hat, sind nur 7 Tragödien und das Fragment eines Satyrspiels erhalten. Seiner Ehe mit Nikostrate entstammte sein Sohn Iophon, der ebenfalls als Dichter zweimal im Wettkampf siegte. Hoch angesehen und beliebt in Athen, bekleidete Sophokles verschiedene hohe Staatsämter. 443 wurde er Schatzmeister des Attisch-Delischen Seebundes. Zusammen mit seinem Freund Perikles, dem großen Staatsmann und Feldherrn, war er für zwei Jahre als Stratege tätig. Als Priester des athenischen Heilgottes Amynos richtete er in seinem Haus eine Kultstätte des Asklepios ein und wirkte auch als Medium, durch das die Götter sprachen. Nach der gescheiterten Sizilischen Expedition (411) gehörte er der Zehnerkommission an, die die zerrütteten Staatsangelegenheiten wieder ordnen sollte.  Sophokles starb ~ 406 hochgeehrt 90-jährig in Athen. Die Athener verherrlichten ihn als Heros „Dexion“ und Legenden um Leben und Tod des Sophokles entstanden.

Vollständig erhaltene Werke:

Antigone, 442 v. Chr.
König Ödipus, 429–425 v. Chr.
Ödipus auf Kolonos, 401 v. Chr. postum aufgeführt
Aias, 455–450 v. Chr.
Die Trachinierinnen, vor 442 v. Chr.
Elektra, ca. 413 v. Chr.
Philoktetes, 409 v. Chr.